Chronischer primärer Schmerz: Leitlinien-Protokoll (IASP)
📋Auf einen Blick
- •Der Text ist ein Studienprotokoll für ein systematisches Review von Leitlinien zum chronischen primären Schmerz.
- •Chronischer primärer Schmerz (ICD-11) besteht seit über 3 Monaten und lässt sich nicht besser durch andere Erkrankungen erklären.
- •Ziel ist die Identifikation und methodische Bewertung von Leitlinien aus dem Publikationszeitraum 2015 bis 2025.
- •Die Leitlinien werden mit dem patientenzentrierten "Listen to me, learn from me"-Framework abgeglichen.
Hintergrund
Chronischer Schmerz ist eine der Hauptursachen für die globale Krankheitslast. Die gepoolte Prävalenz liegt bei Erwachsenen in Europa bei etwa 21,4 % und bei Kindern weltweit bei ca. 20,8 %. Da Patienten häufig an multiplen Schmerzerkrankungen leiden, führt die ICD-11 die Diagnose des chronischen primären Schmerzes ein.
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Dauer | Schmerz persistiert für mehr als 3 Monate |
| Begleitsymptome | Assoziiert mit signifikantem emotionalen Stress und/oder funktioneller Einschränkung |
| Ausschluss | Kann nicht besser durch eine andere Erkrankung (spezifischer ICD-Code) erklärt werden |
Ziele des Studienprotokolls
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um ein Studienprotokoll für ein geplantes systematisches Review der International Association for the Study of Pain (IASP). Es enthält noch keine direkten klinischen Therapieempfehlungen, sondern beschreibt die Methodik zur Identifikation und Bewertung bestehender Leitlinien.
Die Hauptziele sind:
- Identifikation und Bewertung von Leitlinien (Publikationszeitraum 2015–2025) für chronischen primären Schmerz über alle Altersgruppen hinweg.
- Abgleich der Leitlinieninhalte mit dem patientenzentrierten "Listen to me, learn from me"-Framework, um die Übereinstimmung mit den Prioritäten von Schmerzpatienten zu prüfen.
Methodik und Bewertung
Das Review schließt Leitlinien ein, die Empfehlungen zur Beurteilung und/oder Behandlung von chronischem primärem Schmerz bei in der Gemeinde lebenden Personen (Kinder und Erwachsene) geben. Stationäre oder institutionalisierte Patienten werden ausgeschlossen.
Zur Bewertung der Leitlinien werden standardisierte Instrumente genutzt:
- AGREE-II: Zur Beurteilung der methodischen Qualität.
- AGREE-REX: Zur Bewertung der klinischen Glaubwürdigkeit und Implementierbarkeit der Empfehlungen.
- PROGRESS-PLUS: Zur Prüfung der Berücksichtigung von gesundheitlicher Chancengleichheit (Health Equity).
Klassifikation von Empfehlungen
Die im Rahmen des Reviews extrahierten Leitlinienempfehlungen werden nach ihrer Stärke und Richtung in vier Kategorien eingeteilt:
| Klassifikation | Definition | Beispiel-Terminologie |
|---|---|---|
| Should do (stark dafür) | Anwendung in allen Umständen, außer es gibt Gründe dagegen. Basiert auf starker Evidenz. | "sollte", "anbieten", "starke Empfehlung" |
| Could do (bedingt dafür/dagegen) | Anwendung abhängig von individuellen Umständen. Basiert auf konsistenter Evidenz geringerer Qualität. | "könnte", "erwägen", "bedingte Empfehlung" |
| Do not do (stark dagegen) | Starke Evidenz für fehlenden Nutzen oder Überwiegen von Schäden. | "nicht anbieten", "sollte unterlassen werden" |
| Uncertain (keine Empfehlung) | Keine Empfehlung für oder gegen eine Praxis wegen unvollständiger/inkonsistenter Evidenz. | "unklar", "nicht schlüssig" |
💡Praxis-Tipp
Da es sich um ein Studienprotokoll handelt, enthält der Text keine direkten Therapieempfehlungen. Beachten Sie im klinischen Alltag jedoch die ICD-11-Kriterien: Diagnostizieren Sie einen chronischen primären Schmerz erst, wenn die Beschwerden >3 Monate bestehen und keine andere spezifische Ursache vorliegt.