EASL-Leitlinie 2024: Diagnostik und Therapie bei MASLD
Hintergrund
Die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) hat den früheren Begriff der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) abgelöst. Laut der EASL-EASD-EASO-Leitlinie ist MASLD definiert als das Vorliegen einer Steatosis hepatis in Kombination mit mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor (wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas) und dem Fehlen eines schädlichen Alkoholkonsums. Das Krankheitsspektrum umfasst laut Leitlinie die isolierte Steatose, die metabolische dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis (MASH), Fibrose, Zirrhose sowie das MASH-assoziierte hepatozelluläre Karzinom (HCC). Die Leitlinie betont, dass die Prävalenz von MASLD weiter steigen wird und eng mit kardiometabolischen Begleiterkrankungen verknüpft ist.
Empfehlungen
Nach aktueller Leitlinienempfehlung wird ein allgemeines bevölkerungsweites Screening auf MASLD nicht empfohlen (starke Empfehlung). Stattdessen empfiehlt die EASL-Leitlinie eine gezielte Fallsuche bei Risikopatienten.
Diagnostik und Risikostratifizierung
Bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, abdomineller Adipositas mit weiteren Risikofaktoren oder auffälligen Leberwerten sollte laut Leitlinie nach einer MASLD mit Leberfibrose gesucht werden (starke Empfehlung). Es wird ein mehrstufiger Ansatz empfohlen: Zunächst sollte ein blutbasierter Score wie der FIB-4-Index angewendet werden. Bei weiterhin bestehendem Verdacht auf Fibrose empfiehlt die Leitlinie im zweiten Schritt bildgebende Verfahren wie die Leber-Elastographie (starke Empfehlung). Eine Leberbiopsie ist für das klinische Routinemanagement meist nicht erforderlich, bleibt aber laut Expertenkonsens für die definitive Diagnose einer Steatohepatitis notwendig.
Lebensstilinterventionen
Die EASL-Leitlinie stuft Lebensstilanpassungen als essenziell ein. Empfohlen wird eine Gewichtsreduktion von mindestens 5 % zur Reduktion der Steatose, 7 bis 10 % zur Besserung der Entzündung und mindestens 10 % zur Besserung der Fibrose (starke Empfehlung). Eine an der mediterranen Diät orientierte Ernährung unter Vermeidung von hochverarbeiteten Lebensmitteln und zuckergesüßten Getränken wird empfohlen (starke Empfehlung). Die Leitlinie rät zudem zu mehr als 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche. Bei fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose muss laut Leitlinie jeglicher Alkoholkonsum vollständig und dauerhaft eingestellt werden (starke Empfehlung).
Medikamentöse Therapie
Sofern lokal zugelassen, sollte bei Erwachsenen mit nicht-zirrhotischer MASH und signifikanter Leberfibrose (Stadium 2 oder höher) eine MASH-gerichtete Therapie mit Resmetirom erwogen werden (starke Empfehlung). GLP-1-Rezeptor-Agonisten (wie Semaglutid oder Tirzepatid) können laut Leitlinie derzeit nicht spezifisch als MASH-Therapie empfohlen werden. Sie sind jedoch bei MASH sicher anwendbar und sollten für ihre eigentlichen Indikationen (Typ-2-Diabetes, Adipositas) eingesetzt werden (starke Empfehlung). Vitamin E wird aufgrund fehlender robuster Daten und potenzieller Langzeitrisiken nicht als MASH-Therapie empfohlen (schwache Empfehlung).
Kontraindikationen
Die EASL-Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise bei fortgeschrittener Lebererkrankung:
Metformin
Darf laut Leitlinie bei dekompensierter Zirrhose nicht angewendet werden, insbesondere bei gleichzeitiger Nierenfunktionseinschränkung, da ein Risiko für Laktatazidosen besteht (starke Empfehlung).
Sulfonylharnstoffe
Sollen bei hepatischer Dekompensation wegen des Hypoglykämierisikos vermieden werden (schwache Empfehlung).
Bariatrische Chirurgie
Ist laut Leitlinie bei dekompensierter Zirrhose kontraindiziert und muss im Kontext einer möglichen Lebertransplantation interdisziplinär diskutiert werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie hat sich in der Praxis ein sequenzieller Ansatz zur Fibrose-Erkennung bewährt: Zuerst wird der FIB-4-Score aus Standard-Laborwerten berechnet. Nur bei auffälligen Werten erfolgt die weitere Abklärung mittels Elastographie, was eine effiziente Ressourcennutzung im nicht-hepatologischen Bereich ermöglicht.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der neuen Nomenklatur der Leitlinie ersetzt MASLD den Begriff NAFLD. Die Diagnose MASLD erfordert neben der Fettleber zwingend das Vorliegen mindestens eines kardiometabolischen Risikofaktors, während ein schädlicher Alkoholkonsum ausgeschlossen sein muss.
Die EASL-Leitlinie empfiehlt Überwachungsprogramme für das hepatozelluläre Karzinom (HCC) bei allen Patienten mit MASLD-assoziierter Zirrhose. Bei nicht-zirrhotischer MASLD ohne schwere Fibrose wird ein Screening derzeit nicht empfohlen.
Laut Leitlinie können GLP-1-Rezeptor-Agonisten mangels großer Phase-III-Studien derzeit nicht spezifisch als MASH-Therapie empfohlen werden. Sie werden jedoch als sicher eingestuft und sollen zur Behandlung von Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Adipositas eingesetzt werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine Ernährung, die der mediterranen Diät ähnelt. Dabei wird geraten, den Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln sowie zuckergesüßten Getränken stark einzuschränken.
Nach aktuellem Expertenkonsens der Leitlinie wird Kaffeekonsum in Beobachtungsstudien mit einer Besserung von Leberschäden und reduzierten leberbezogenen klinischen Endpunkten in Verbindung gebracht.
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Quelle: EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on MASLD (Supplementary Material) (EASL, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.