Post-Reanimationsbehandlung: ERC-ESICM Leitlinie 2021

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: ERC (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Post-Cardiac-Arrest-Syndrom umfasst laut der ERC-ESICM-Leitlinie 2021 einen hypoxisch-ischämischen Hirnschaden, eine myokardiale Dysfunktion, eine systemische Ischämie-/Reperfusionsreaktion sowie die anhaltende auslösende Pathologie. Die Leitlinie betont, dass die Schwere dieses Syndroms maßgeblich von der Dauer und der Ursache des Herzstillstands abhängt. Ein zentrales Ziel der Post-Reanimationsbehandlung ist die Minimierung sekundärer Organschäden. Gemäß dem Expertenkonsens der Leitlinie ist eine frühzeitige Identifikation der Ursache (kardial, respiratorisch oder neurologisch) essenziell, um Patienten optimal auf einer spezialisierten Intensivstation versorgen zu können.

Empfehlungen

Die ERC-ESICM-Leitlinie formuliert umfassende Empfehlungen für die verschiedenen Bereiche der Post-Reanimationsbehandlung:

Atemwege und Beatmung

  • Nach Rückkehr des Spontankreislaufs (ROSC) empfiehlt die Leitlinie die Titration des inspiratorischen Sauerstoffs, um eine arterielle Sauerstoffsättigung (SpO2) von 94-98 % oder einen PaO2 von 10-13 kPa (75-100 mmHg) zu erreichen.
  • Sowohl Hypoxämie als auch Hyperoxämie sind laut Leitlinie zu vermeiden.
  • Bei mechanisch beatmeten Patienten wird eine Normokapnie (PaCO2 4,5-6,0 kPa bzw. 35-45 mmHg) sowie eine lungenprotektive Beatmung mit 6-8 ml/kg idealem Körpergewicht empfohlen.

Kreislauf und Koronarperfusion

  • Bei Patienten mit Verdacht auf eine kardiale Ursache und ST-Hebungen im EKG empfiehlt die Leitlinie eine sofortige Koronarangiographie.
  • Ohne ST-Hebungen sollte eine Angiographie laut Leitlinie erwogen werden, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen akuten Koronarverschluss besteht (z. B. bei hämodynamischer Instabilität).
  • Zur hämodynamischen Steuerung wird empfohlen, eine Hypotonie (MAP < 65 mmHg) zu vermeiden. Der mittlere arterielle Druck (MAP) sollte so eingestellt werden, dass eine adäquate Urinausscheidung (> 0,5 ml/kg/h) und sinkende Laktatwerte erreicht werden.

Neurologische Erholung und Temperaturmanagement (TTM)

  • Die Leitlinie empfiehlt ein gezieltes Temperaturmanagement (TTM) für alle erwachsenen Patienten, die nach ROSC (unabhängig vom initialen Rhythmus oder Ort des Herzstillstands) bewusstlos bleiben (starke Empfehlung für schockbare Rhythmen).
  • Es wird empfohlen, eine konstante Zieltemperatur zwischen 32 °C und 36 °C für mindestens 24 Stunden aufrechtzuerhalten.
  • Fieber (> 37,7 °C) sollte laut Leitlinie für mindestens 72 Stunden nach ROSC vermieden werden.
  • Zur Behandlung von Krampfanfällen schlägt die Leitlinie Levetiracetam oder Valproat als Mittel der ersten Wahl vor; eine routinemäßige medikamentöse Prophylaxe wird nicht empfohlen.

Prognostizierung

  • Die neurologische Prognostizierung sollte laut Leitlinie frühestens 72 Stunden nach ROSC und nach Ausschluss von Störfaktoren (wie Sedierung oder Hypothermie) multimodal erfolgen.
  • Als Prädiktoren für ein schlechtes Outcome nennt die Leitlinie unter anderem fehlende Pupillen- und Kornealreflexe (nach 72 h), beidseitig fehlende N20-SSEP-Wellen (nach 24 h) oder NSE-Werte > 60 mcg/l (nach 48/72 h).

Allgemeine Intensivmedizin

  • Gemäß Leitlinie wird ein Blutzuckerzielwert von 7,8-10 mmol/l (140-180 mg/dl) empfohlen, wobei Hypoglykämien strikt zu vermeiden sind.
  • Eine routinemäßige prophylaktische Antibiotikagabe wird nicht empfohlen.

Kontraindikationen

Laut der ERC-ESICM-Leitlinie gibt es innerhalb des empfohlenen Temperaturbereichs von 32-36 °C für das gezielte Temperaturmanagement (TTM) kaum anerkannte Kontraindikationen. Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass bei schweren kardiovaskulären Beeinträchtigungen unter einer Temperatur von 33 °C eine höhere Zieltemperatur erwogen werden könnte.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist bei der neurologischen Prognostizierung stets auf mögliche Störfaktoren durch Sedativa, Opioide oder Muskelrelaxanzien zu achten, um falsch-pessimistische Vorhersagen bezüglich der neurologischen Erholung zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Die ERC-ESICM-Leitlinie empfiehlt, den inspiratorischen Sauerstoff so zu titrieren, dass eine arterielle Sauerstoffsättigung (SpO2) von 94-98 % erreicht wird, um sowohl Hypoxämie als auch Hyperoxämie zu vermeiden.

Laut Leitlinie wird eine sofortige Koronarangiographie bei Patienten mit Verdacht auf eine kardiale Ursache und ST-Hebungen im EKG empfohlen. Ohne ST-Hebungen sollte sie bei hämodynamischer Instabilität oder hoher Wahrscheinlichkeit eines Koronarverschlusses erwogen werden.

Die Leitlinie empfiehlt, bei bewusstlosen Patienten nach ROSC eine konstante Zieltemperatur zwischen 32 °C und 36 °C für mindestens 24 Stunden aufrechtzuerhalten.

Zur Behandlung von Krampfanfällen schlägt die Leitlinie Levetiracetam oder Valproat als Antiepileptika der ersten Wahl zusätzlich zu Sedativa vor. Eine routinemäßige Prophylaxe wird hingegen nicht empfohlen.

Gemäß der Leitlinie sollte die klinische neurologische Prognostizierung frühestens 72 Stunden nach ROSC und erst nach Ausschluss von Störfaktoren wie Rest-Sedierung oder Hypothermie erfolgen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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