Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzen ab 12 Jahren (NICE)
Hintergrund
Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten neurologischen Vorstellungsgründen in der ärztlichen Praxis. Laut der NICE-Leitlinie stellen primäre Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne, Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz sowie der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz die größte gesundheitliche und soziale Belastung dar. Die Leitlinie betont, dass viele Betroffene keine genaue Diagnose erhalten. Eine verbesserte Erkennung primärer Kopfschmerzen soll laut den Autoren helfen, Behandlungen gezielter einzusetzen, die Lebensqualität zu verbessern und unnötige Untersuchungen zu vermeiden.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine strukturierte Evaluation auf Warnsignale (Red Flags). Eine weitere Abklärung oder Überweisung wird laut Leitlinie erwogen, wenn Kopfschmerzen mit Fieber, plötzlichem Beginn (Maximum innerhalb von 5 Minuten), neuen neurologischen Ausfällen, kognitiven Störungen oder nach einem kürzlichen Schädelhirntrauma auftreten.
Zur Diagnosestellung primärer Kopfschmerzen rät die Leitlinie zur Nutzung eines Kopfschmerztagebuchs über mindestens 8 Wochen.
Spannungskopfschmerz Für die Akuttherapie empfiehlt die Leitlinie Aspirin, Paracetamol oder ein NSAR. Es wird explizit davon abgeraten, Opioide einzusetzen. Zur Prophylaxe chronischer Spannungskopfschmerzen kann laut Leitlinie eine Akupunkturbehandlung (bis zu 10 Sitzungen über 5 bis 8 Wochen) erwogen werden.
Migräne Die NICE-Leitlinie empfiehlt als Akuttherapie eine Kombination aus einem oralen Triptan und einem NSAR oder Paracetamol. Bei Jugendlichen (12 bis 17 Jahre) soll ein nasales Triptan bevorzugt werden. Ergots und Opioide sollen nicht angeboten werden. Zur Migräneprophylaxe können nach aktueller Leitlinienempfehlung Propranolol, Topiramat oder Amitriptylin erwogen werden. Alternativ wird auf Riboflavin oder CGRP-Inhibitoren (z. B. Rimegepant) sowie Botulinumtoxin Typ A bei chronischer Migräne verwiesen, sofern vorherige Therapien versagt haben.
Clusterkopfschmerz Die Leitlinie empfiehlt für die Akuttherapie 100 % Sauerstoff (mindestens 12 l/min) und/oder ein subkutanes oder nasales Triptan. Paracetamol, NSAR, Opioide oder orale Triptane sollen laut Leitlinie nicht angeboten werden. Zur Prophylaxe wird Verapamil empfohlen.
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz Die Leitlinie rät, Betroffenen zu erklären, dass die Behandlung im abrupten Absetzen der übergebrauchten Medikamente für mindestens einen Monat besteht.
Dosierung
Die NICE-Leitlinie nennt spezifische Dosierungen für ausgewählte Therapiesituationen:
| Indikation | Wirkstoff | Dosierungsempfehlung laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Migräne (Akuttherapie, Monotherapie) | Aspirin | 900 mg |
| Migräneprophylaxe (Nahrungsergänzung) | Riboflavin | 400 mg einmal täglich |
| Menstruationsbezogene Migräne (Prophylaxe) | Frovatriptan | 2,5 mg zweimal täglich (an erwarteten Migränetagen) |
| Menstruationsbezogene Migräne (Prophylaxe) | Zolmitriptan | 2,5 mg zwei- oder dreimal täglich (an erwarteten Migränetagen) |
| Clusterkopfschmerz (Akuttherapie) | Sauerstoff (100 %) | Mindestens 12 Liter pro Minute (über Nicht-Rückatmungsmaske) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
Aspirin bei unter 16-Jährigen
Wegen der Assoziation mit dem Reye-Syndrom sollen laut Leitlinie keine aspirinhaltigen Präparate bei Personen unter 16 Jahren eingesetzt werden.
Topiramat
Darf laut Warnhinweis in der Leitlinie nicht zur Migräneprophylaxe in der Schwangerschaft oder bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne hochwirksame Verhütung angewendet werden.
Propranolol
Die Leitlinie warnt vor einem erhöhten Risiko für Selbstverletzungen durch Toxizität bei Überdosierung bei Personen mit Migräne und komorbider Depression.
Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva
Sollen laut Leitlinie Frauen und Mädchen mit Migräne mit Aura nicht routinemäßig zur Empfängnisverhütung angeboten werden.
Opioide und Ergotamine
Die Leitlinie rät strikt davon ab, diese zur Akutbehandlung von Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Clusterkopfschmerzen anzubieten.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist an einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu denken, wenn sich die Kopfschmerzen verschlimmern, während an 10 oder mehr Tagen pro Monat Triptane oder Opioide, beziehungsweise an 15 oder mehr Tagen pro Monat Paracetamol oder NSAR über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten eingenommen werden.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt das abrupte Absetzen aller übergebrauchten Akutmedikamente für mindestens einen Monat. Den Patienten soll erklärt werden, dass sich die Symptome kurzfristig verschlechtern können, bevor eine Besserung eintritt.
Laut Leitlinie wird die Gabe von 100 % Sauerstoff (mindestens 12 Liter pro Minute) sowie der Einsatz von subkutanen oder nasalen Triptanen empfohlen. Orale Triptane oder klassische Schmerzmittel sollen nicht angeboten werden.
Die Leitlinie rät von einer rein beruhigenden Bildgebung bei primären Kopfschmerzen ab. Eine weitere Abklärung wird jedoch empfohlen, wenn Warnsignale (Red Flags) wie plötzlicher Beginn, Fieber oder neue neurologische Ausfälle auftreten.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung können Propranolol, Topiramat oder Amitriptylin erwogen werden. Bei Therapieversagen nennt die Leitlinie auch CGRP-Inhibitoren oder Botulinumtoxin Typ A als Optionen.
Die Leitlinie empfiehlt, eine menstruationsbezogene Migräne mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs über mindestens zwei Menstruationszyklen zu diagnostizieren, wenn die Attacken vorwiegend zwischen 2 Tagen vor und 3 Tagen nach Menstruationsbeginn auftreten.
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Quelle: CG150: Headaches in over 12s: diagnosis and management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.