Arthrose ab 16 Jahren: Aktuelle NICE-Leitlinie
Hintergrund
Arthrose ist die häufigste Form der Gelenkerkrankungen und betrifft typischerweise Knie, Hüfte, Hände und Füße. Die Symptome variieren von mild bis schwer und können die Lebensqualität sowie die Alltagsaktivitäten erheblich einschränken. Die NICE-Leitlinie (NG226) bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnose, Beurteilung und nicht-operativen Behandlung von Arthrose bei Personen ab 16 Jahren. Ziel der Leitlinie ist es, die ganzheitliche Behandlung zu optimieren, die Eigenständigkeit der Patienten zu fördern und den gezielten Einsatz von medikamentösen sowie nicht-medikamentösen Therapien zu steuern.
Empfehlungen
Diagnostik Laut NICE-Leitlinie soll die Diagnose klinisch und ohne Bildgebung gestellt werden, wenn Patienten 45 Jahre oder älter sind, belastungsabhängige Gelenkschmerzen haben und keine oder eine maximal 30-minütige morgendliche Gelenksteifigkeit aufweisen. Eine routinemäßige Bildgebung wird nicht empfohlen, es sei denn, es liegen atypische Merkmale vor.
Nicht-medikamentöse Therapie
Bewegungstherapie
Es wird empfohlen, allen Patienten individuell angepasste therapeutische Übungen anzubieten. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Gelenkschmerzen zu Beginn zunehmen können, regelmäßiges Training jedoch langfristig vorteilhaft ist.
Gewichtsmanagement
Gemäß der Leitlinie soll Patienten mit Übergewicht oder Adipositas erklärt werden, dass jede Gewichtsabnahme vorteilhaft ist, wobei ein Verlust von 10 % des Körpergewichts bessere Ergebnisse erzielt als 5 %.
Hilfsmittel
Laut Leitlinie können Gehhilfen für Arthrose der unteren Extremitäten erwogen werden. Einlagen oder Bandagen sollen nicht routinemäßig zum Einsatz kommen.
Medikamentöse Therapie Pharmakologische Behandlungen sollen laut Leitlinie nur ergänzend zu nicht-pharmakologischen Maßnahmen in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzestmögliche Zeit eingesetzt werden.
Topische NSAR
Für Kniearthrose wird ein topisches nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) empfohlen. Bei anderen Gelenken kann dies erwogen werden.
Orale NSAR
Bei unzureichender Wirkung topischer Mittel kann nach Leitlinienempfehlung ein orales NSAR erwogen werden. Dabei ist laut Leitlinie zwingend ein Magenschutz (z. B. Protonenpumpenhemmer) anzubieten.
Gelenkersatz Eine Überweisung zum Gelenkersatz (Hüfte, Knie, Schulter) kann laut NICE erwogen werden, wenn die Symptome die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und nicht-operative Maßnahmen unzureichend sind. Die Leitlinie betont, dass die Entscheidung auf einer klinischen Beurteilung basieren soll und Patienten nicht aufgrund von Alter, Geschlecht, Rauchen, Begleiterkrankungen oder BMI ausgeschlossen werden dürfen.
Kontraindikationen
Die NICE-Leitlinie benennt spezifische Interventionen, die bei Arthrose aufgrund mangelnder Evidenz oder potenzieller Risiken nicht angeboten werden sollen:
| Therapie | Empfehlung laut Leitlinie |
|---|---|
| Akupunktur / Dry Needling | Nicht anbieten |
| Elektrotherapie (TENS, Ultraschall) | Nicht anbieten |
| Glucosamin | Nicht anbieten |
| Starke Opioide | Nicht anbieten |
| Hyaluronsäure-Injektionen | Nicht anbieten |
| Arthroskopische Lavage / Debridement | Nicht anbieten |
Zusätzlich sollen laut Leitlinie Paracetamol und schwache Opioide nicht routinemäßig angeboten werden, es sei denn, andere Behandlungen sind kontraindiziert oder unwirksam. Es wird betont, dass es keine starke Evidenz für den Nutzen von Paracetamol bei Arthrose gibt.
💡Praxis-Tipp
Laut NICE-Leitlinie ist es ratsam, Patienten darüber aufzuklären, dass intraartikuläre Kortikosteroid-Injektionen nur eine kurzfristige Linderung der Symptome für etwa 2 bis 10 Wochen bieten und primär zur Unterstützung der Bewegungstherapie eingesetzt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine rein klinische Diagnose ohne Bildgebung bei Patienten ab 45 Jahren mit belastungsabhängigen Schmerzen und einer Morgensteifigkeit von maximal 30 Minuten.
Gemäß der Leitlinie soll Paracetamol nicht routinemäßig eingesetzt werden, da es keine starke Evidenz für einen Nutzen gibt. Es kann nur in Ausnahmefällen für eine kurzfristige Schmerzlinderung erwogen werden.
Nein, die NICE-Leitlinie stellt klar, dass Patienten nicht aufgrund von Übergewicht oder Adipositas (basierend auf dem BMI) von einer Überweisung zum Gelenkersatz ausgeschlossen werden dürfen.
Laut Leitlinie sollen Einlagen, Bandagen oder Schienen nicht routinemäßig angeboten werden, es sei denn, es liegt eine Gelenkinstabilität vor und Bewegungstherapie allein ist unzureichend.
Die Leitlinie empfiehlt, manuelle Therapie nur bei Hüft- oder Kniearthrose und ausschließlich in Kombination mit therapeutischen Übungen zu erwägen.
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Quelle: Osteoarthritis in over 16s (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.