Ernährungsunterstützung bei Erwachsenen: NICE-Leitlinie
Hintergrund
Die Mangelernährung ist ein Zustand, bei dem ein Mangel an Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralien zu messbaren negativen Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung, die Funktion oder das klinische Ergebnis führt. Laut der NICE-Leitlinie ist Mangelernährung sowohl Ursache als auch Folge von Krankheiten und erhöht die Anfälligkeit der Patienten für weitere Erkrankungen. Das Wissen über Ursachen, Auswirkungen und Behandlung von Mangelernährung ist beim medizinischen Personal oft unzureichend. Die Leitlinie zielt darauf ab, medizinisches Fachpersonal dabei zu unterstützen, mangelernährte Personen im Krankenhaus und in der Gemeinde korrekt zu identifizieren und die am besten geeignete Form der Ernährungsunterstützung (oral, enteral oder parenteral) zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt ein systematisches Screening auf Mangelernährung für alle stationären Patienten bei der Aufnahme und für ambulante Patienten beim ersten Termin. Hierfür wird die Verwendung validierter Instrumente wie dem Malnutrition Universal Screening Tool (MUST) vorgeschlagen.
Indikationen
Eine Ernährungsunterstützung sollte laut Leitlinie bei Personen in Betracht gezogen werden, die einen BMI von unter 18,5 kg/m2 aufweisen, in den letzten 3 bis 6 Monaten unbeabsichtigt mehr als 10 Prozent an Gewicht verloren haben oder einen BMI von unter 20 kg/m2 mit einem Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent kombinieren.
Nährstoffbedarf
Für Patienten, die nicht schwer krank sind und kein Risiko für ein Refeeding-Syndrom aufweisen, empfiehlt die Leitlinie eine tägliche Gesamtzufuhr von 25 bis 35 kcal/kg Energie, 0,8 bis 1,5 g Protein pro kg und 30 bis 35 ml Flüssigkeit pro kg.
Enterale Ernährung
Die enterale Sondenernährung wird empfohlen, wenn die orale Nahrungsaufnahme unzureichend oder unsicher ist, der Magen-Darm-Trakt aber funktionsfähig bleibt.
Parenterale Ernährung
Die parenterale Ernährung ist laut NICE-Leitlinie Personen vorbehalten, deren Magen-Darm-Trakt nicht funktionsfähig, unzugänglich oder perforiert ist. Es wird betont, dass die parenterale Ernährung schrittweise eingeführt und engmaschig überwacht werden sollte, beginnend mit maximal 50 Prozent des geschätzten Bedarfs in den ersten 24 bis 48 Stunden.
Kontraindikationen
Die NICE-Leitlinie warnt ausdrücklich vor den lebensbedrohlichen Gefahren des Refeeding-Syndroms bei Hochrisikopatienten.
Risikofaktoren
Als Hochrisikopatienten definiert die Leitlinie Personen mit einem BMI unter 16 kg/m2, einem unbeabsichtigten Gewichtsverlust von über 15 Prozent in den letzten 3 bis 6 Monaten, fehlender Nahrungsaufnahme für mehr als 10 Tage oder niedrigen Kalium-, Phosphat- oder Magnesiumspiegeln vor Beginn der Ernährung.
Vorsichtsmaßnahmen
Bei diesen Patienten empfiehlt die Leitlinie, die Ernährungsunterstützung mit maximal 10 kcal/kg/Tag zu beginnen und die Zufuhr erst über 4 bis 7 Tage langsam zu steigern. In extremen Fällen wird laut Leitlinie sogar ein Start mit nur 5 kcal/kg/Tag angeraten. Zudem wird die sofortige prophylaktische Gabe von Thiamin, Vitamin-B-Komplex und Multivitaminen sowie die engmaschige Substitution von Kalium, Phosphat und Magnesium empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Gemäß der NICE-Leitlinie sollte die Position von nasogastralen Sonden nach der Platzierung und vor jeder Nutzung zwingend durch Aspiration und pH-Indikatorpapier überprüft werden, wobei ein pH-Wert von 5,5 oder weniger die korrekte Lage im Magen bestätigt.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt, alle stationären Patienten bei der Aufnahme, alle ambulanten Patienten beim ersten Kliniktermin sowie Bewohner von Pflegeheimen bei der Aufnahme und bei klinischen Bedenken zu screenen.
Laut Leitlinie sollte eine enterale Ernährung in Betracht gezogen werden, wenn Patienten mangelernährt sind oder ein Risiko dafür aufweisen, die orale Aufnahme unzureichend oder unsicher ist und gleichzeitig ein funktionsfähiger, zugänglicher Magen-Darm-Trakt vorliegt.
Die Leitlinie empfiehlt, die parenterale Ernährung zu beenden, sobald der Patient eine adäquate orale oder enterale Unterstützung toleriert und der Ernährungszustand stabil ist. Der Entzug sollte schrittweise und unter täglicher Überprüfung erfolgen.
Gemäß der NICE-Leitlinie sollten Personen mit Anzeichen einer Dysphagie an entsprechend geschultes Fachpersonal überwiesen werden. Im Akutfall, beispielsweise nach einem Schlaganfall, wird ein zwei- bis vierwöchiger Versuch mit einer nasogastralen Sondenernährung empfohlen.
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Quelle: NICE Guideline on Nutrition Support (NICE, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.