Prävention von chirurgischen Wundinfektionen | NICE
Hintergrund
Chirurgische Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) stellen eine häufige Form von gesundheitsversorgungsassoziierten Infektionen dar. Laut der NICE-Leitlinie treten sie bei mindestens 5 Prozent der operierten Patientinnen und Patienten auf und machen bis zu 20 Prozent aller nosokomialen Infektionen aus. Die Infektionen reichen von leichten Wundsekretionen bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Die Leitlinie betont, dass die meisten dieser Infektionen durch Mikroorganismen der eigenen Körperflora verursacht werden und durch gezielte Maßnahmen in der prä-, intra- und postoperativen Phase vermeidbar sind. Eine strukturierte Herangehensweise ist laut NICE entscheidend, um die Morbidität, die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die damit verbundenen Kosten zu senken.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie unterteilt die Maßnahmen zur Infektionsprävention in drei Phasen:
Präoperative Phase
Gemäß der Leitlinie wird Patienten geraten, am Tag vor oder am Tag der Operation mit Seife zu duschen oder zu baden. Eine routinemäßige Haarentfernung wird nicht empfohlen; falls erforderlich, rät die Leitlinie zur Nutzung elektrischer Haarschneidemaschinen (Clipper) mit Einwegkopf am Operationstag, da Rasierer das Infektionsrisiko erhöhen. Eine routinemäßige mechanische Darmvorbereitung wird laut NICE ebenfalls nicht empfohlen. Das Operationsteam soll vor Eingriffen Handschmuck, künstliche Nägel und Nagellack entfernen. Eine Antibiotikaprophylaxe wird laut Leitlinie bei sauberen Eingriffen mit Implantat, sauber-kontaminierten und kontaminierten Eingriffen empfohlen und sollte idealerweise als intravenöse Einzeldosis bei Narkoseeinleitung erfolgen.
Intraoperative Phase
Für die chirurgische Händedesinfektion empfiehlt die NICE-Leitlinie vor der ersten Operation eine wässrige antiseptische Lösung unter Verwendung einer Einwegbürste für die Nägel. Für die Hautantiseptik des Operationsgebietes nennt die Leitlinie alkoholische Chlorhexidin-Lösungen als erste Wahl.
| Situation | Wahl des Hautantiseptikums |
|---|---|
| Erste Wahl (außer an Schleimhäuten) | Alkoholbasierte Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative an Schleimhäuten | Wässrige Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative bei Chlorhexidin-Kontraindikation | Alkoholbasierte Povidon-Jod-Lösung |
| Wenn alkoholbasiert und Chlorhexidin ungeeignet | Wässrige Povidon-Jod-Lösung |
Die Leitlinie warnt davor, Wundspülungen oder intrakavitäre Lavagen routinemäßig zur Infektionsprävention einzusetzen. Bei der Wundnaht kann laut Expertenkonsens der Leitlinie die Verwendung von Triclosan-beschichteten Nähten erwogen werden, insbesondere in der Kinderchirurgie. Bei Kaiserschnitten wird die Verwendung von Nähten anstelle von Klammern empfohlen, um das Risiko einer Wunddehiszenz zu verringern.
Postoperative Phase
Für den Verbandswechsel wird eine aseptische Non-Touch-Technik empfohlen. Die Leitlinie gibt an, dass zur Wundreinigung in den ersten 48 Stunden sterile Kochsalzlösung verwendet werden sollte. Bei sekundär heilenden Wunden wird der Einsatz interaktiver Wundauflagen empfohlen, während von feuchter Baumwollgaze oder Eusol abgeraten wird.
Kontraindikationen
Die NICE-Leitlinie warnt ausdrücklich vor den Risiken von Hautantiseptika bei Babys. Insbesondere wird auf die Gefahr schwerer chemischer Verletzungen durch den Einsatz von Chlorhexidin (sowohl alkoholbasiert als auch wässrig) bei Frühgeborenen hingewiesen. Zudem wird in der Leitlinie betont, dass alkoholbasierte Lösungen nicht an Schleimhäuten angewendet werden dürfen. Bei der Verwendung von Diathermie warnt die Leitlinie vor der Entflammbarkeit alkoholischer Antiseptika; es wird empfohlen, die Lösungen vollständig verdunsten zu lassen und eine Pfützenbildung zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Laut der NICE-Leitlinie ist bei der Auswahl der Antibiotikaprophylaxe stets die Halbwertszeit des gewählten Wirkstoffs zu beachten. Es wird empfohlen, eine Wiederholungsdosis zu verabreichen, wenn die Operationsdauer die Halbwertszeit des verabreichten Antibiotikums überschreitet.
Häufig gestellte Fragen
Laut der NICE-Leitlinie können Patienten sicher 48 Stunden nach dem chirurgischen Eingriff wieder duschen.
Die Leitlinie empfiehlt, Wundspülungen und intrakavitäre Lavagen nicht routinemäßig zur Reduktion des Infektionsrisikos einzusetzen.
Gemäß der Leitlinie ist eine alkoholbasierte Chlorhexidin-Lösung die erste Wahl für die Hautantiseptik, sofern keine Kontraindikationen bestehen und das Operationsgebiet nicht an eine Schleimhaut grenzt.
Wenn eine Haarentfernung unumgänglich ist, empfiehlt die Leitlinie die Verwendung eines elektrischen Clippers mit Einwegkopf am Tag der Operation. Rasierer dürfen laut Leitlinie nicht verwendet werden, da sie das Infektionsrisiko erhöhen.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung dürfen Antiseptika oder Antibiotika vor dem Wundverschluss nur im Rahmen klinischer Forschungsstudien in die Wunde eingebracht werden, mit Ausnahme von Gentamicin-Kollagen-Implantaten bei herzchirurgischen Eingriffen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NICE Guideline on Surgical Site Infections (NICE, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.