Umgang mit sich verschlechternden Patienten (SIGN)

Diese Leitlinie stammt aus 2014 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2014)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die schottische SIGN-Leitlinie 139 befasst sich mit der Versorgung von erwachsenen Patienten, deren Zustand sich im akuten Krankenhausumfeld physiologisch verschlechtert. Ziel der Konsensempfehlungen ist es, eine zuverlässige Erkennung und angemessene Reaktion auf klinische Verschlechterungen zu gewährleisten, um die krankenhausspezifische Mortalität (HSMR) sowie vermeidbare Schäden zu reduzieren. Laut Leitlinie bilden strukturierte Beobachtungen und standardisierte Frühwarnsysteme die Grundlage für ein sicheres Patientenmanagement.

Empfehlungen

Die SIGN-Leitlinie formuliert klare Konsensempfehlungen zur Überwachung und Reaktion bei sich verschlechternden Patienten:

Beobachtung und Monitoring

  • Physiologische Parameter sollen direkt bei der Aufnahme oder Erstbeurteilung erfasst werden.
  • Es wird ein schriftlicher Überwachungsplan empfohlen, der die Art und Häufigkeit der Messungen festlegt.
  • Als Minimum sollen laut Leitlinie folgende Parameter erfasst werden: Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinsgrad, Sauerstoffsättigung (inklusive O2-Therapie), Temperatur und der Hydratationsstatus (bei mittlerem oder hohem NEWS-Wert).
  • Bei Bedarf wird ein zusätzliches Monitoring (z. B. Blutzucker, Laktat, Schmerzerfassung) empfohlen.

National Early Warning Score (NEWS)

  • Die Leitlinie empfiehlt die Implementierung des NEWS für alle erwachsenen Patienten im Akutkrankenhaus (für Schwangere soll ein spezifischer Score genutzt werden).
  • Das Monitoring soll standardmäßig mindestens alle vier Stunden erfolgen, sofern keine abweichende ärztliche Entscheidung dokumentiert ist.
  • Bei auffälligen Werten wird eine Erhöhung der Überwachungsfrequenz empfohlen.
  • Patienten, deren NEWS-Wert einen Alarm auslöst, sollen auf Sepsis und Delir gescreent werden.

Sepsis-Management Wird ein Patient positiv auf Sepsis gescreent, empfiehlt die Leitlinie den Start des "Sepsis Six"-Pfades innerhalb von einer Stunde:

  • Sauerstoffgabe (Ziel-SpO2 94–98 %, bei COPD 88–92 %)
  • Blutkulturen abnehmen und Fokussanierung erwägen
  • Intravenöse Antibiotika gemäß lokalem Protokoll
  • Intravenöse Flüssigkeitsgabe (mindestens 500 ml) mit anschließender Reevaluation
  • Kontrolle von Laktat und großem Blutbild
  • Genaue Messung der Urinausscheidung (ggf. Blasenkatheter)

Gestuftes Reaktionsschema (Graded Response) Die Leitlinie rät zur Etablierung eines gestuften Reaktionsschemas basierend auf dem NEWS:

NEWS-WertEmpfohlene Reaktion laut Leitlinie
NiedrigÜberwachungsfrequenz erhöhen, zuständige Pflegekraft informieren
MittelReaktion innerhalb von 30 Minuten, dringender Ruf an das primär zuständige ärztliche Team sowie an eine Person mit akutmedizinischer Kompetenz
HochSofortige Reaktion, Notfallruf an ein Team mit intensivmedizinischen und diagnostischen Kompetenzen

Für Patienten mit mittlerem oder hohem Score wird zudem die Einleitung angemessener Interventionen, deren Reevaluation sowie ein schriftlicher Behandlungsplan empfohlen.

Eingeschränkte Reversibilität Für Patienten mit eingeschränkter Reversibilität empfiehlt die Leitlinie einen schriftlichen Managementplan. Dieser soll unter anderem den Reanimationsstatus, multidisziplinäre Absprachen, Behandlungsziele (Ceilings of Care) sowie Gespräche mit dem Patienten und den Angehörigen umfassen.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist bei der Kommunikation über sich verschlechternde Patienten auf einen strukturierten Übergabeprozess (Handover) zu achten, der alle relevanten klinischen Informationen sowie die Wünsche des Patienten und seiner Angehörigen umfasst.

Häufig gestellte Fragen

Die SIGN-Leitlinie empfiehlt, den National Early Warning Score (NEWS) nach der Krankenhausaufnahme mindestens alle vier Stunden zu erheben, es sei denn, es liegt eine dokumentierte ärztliche Entscheidung für ein längeres Intervall vor.

Gemäß den Konsensempfehlungen umfassen die Basisparameter Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinsgrad, Sauerstoffsättigung, Temperatur und bei mittlerem oder hohem NEWS-Wert auch den Hydratationsstatus.

Laut Leitlinie soll bei einem positiven Sepsis-Screening innerhalb einer Stunde das "Sepsis Six"-Bündel angewendet werden, welches unter anderem Sauerstoffgabe, Blutkulturen, intravenöse Antibiotika und Flüssigkeitssubstitution beinhaltet.

Es wird empfohlen, innerhalb von 30 Minuten zu reagieren und sowohl das primär zuständige ärztliche Team als auch eine Person mit akutmedizinischer Kompetenz dringend hinzuzuziehen.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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