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Nicht-Betalaktam-Antibiotika: WHO EML 2023

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO Essential Medicines List (2023)|Arzneimittel-Fachinformation|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die 23. Ausgabe der WHO Model List of Essential Medicines (EML) aus dem Jahr 2023 definiert die wirksamsten, sichersten und kosteneffizientesten Medikamente für prioritäre Erkrankungen. Die Sektion 6.2 umfasst 13 essenzielle Nicht-Betalaktam-Antibiotika.

Dazu gehören unter anderem Makrolide, Fluorchinolone, Aminoglykoside sowie Reserveantibiotika für multiresistente Infektionen. Die Leitlinie dient weltweit als Grundlage für die Entwicklung nationaler Arzneimittelverzeichnisse und Beschaffungsentscheidungen.

Ein zentrales Element der WHO-Strategie ist die AWaRe-Klassifikation (Access, Watch, Reserve). Diese Einteilung zielt darauf ab, den angemessenen Einsatz von Antibiotika zu fördern und antimikrobiellen Resistenzen entgegenzuwirken.

Empfehlungen

Die WHO EML 2023 klassifiziert die essenziellen Nicht-Betalaktam-Antibiotika nach dem AWaRe-System. Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz entsprechend dieser Kategorisierung.

Access-Gruppe

Antibiotika der Access-Gruppe gelten laut Leitlinie als Mittel der ersten oder zweiten Wahl für häufige Infektionen. Sie sollten jederzeit in angemessener Qualität verfügbar sein. Zu dieser Gruppe gehören:

  • Chloramphenicol, Doxycyclin und Erythromycin

  • Gentamicin (hier wird ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) gefordert)

  • Metronidazol und Co-trimoxazol (Sulfamethoxazol + Trimethoprim)

  • Nitrofurantoin (laut Leitlinie ausschließlich für Harnwegsinfekte vorgesehen)

Watch-Gruppe

Diese Antibiotika weisen ein höheres Resistenzpotenzial auf. Die Leitlinie empfiehlt, sie als Mittel der ersten oder zweiten Wahl nur für spezifische, begrenzte Indikationen einzusetzen. Die Liste umfasst:

  • Die Makrolide Azithromycin und Clarithromycin

  • Das Fluorchinolon Ciprofloxacin

  • Vancomycin (intravenös bei MRSA, oral bei C. difficile)

Reserve-Gruppe

Reserveantibiotika sollen laut WHO als letztes Mittel strengen Indikationen vorbehalten bleiben. Sie werden bei multiresistenten Erregern eingesetzt:

  • Linezolid

  • Colistin (Polymyxin E), welches spezifisch als letzte Option für multiresistente gramnegative Erreger gelistet wird.

Dosierung

WirkstoffDarreichungsformStärkeApplikationswegAWaRe-Klasse / Hinweise
AzithromycinKapsel, Saft, Tablette250-500 mgOralWatch
ChloramphenicolKapsel, Injektion, Saft250 mg, 1 gOral, IVAccess
CiprofloxacinTablette, Injektion250-500 mg, 2 mg/mLOral, IVWatch
ClarithromycinTablette, Saft250-500 mgOralWatch
Colistin (Polymyxin E)Injektion150 mg (CBA)IVReserve (MDR gramnegativ)
DoxycyclinKapsel, Tablette50-100 mgOralAccess
ErythromycinTablette, Saft, Injektion250-500 mgOral, IVAccess
GentamicinInjektion10 mg/mL, 40 mg/mLIV, IMAccess (TDM erforderlich)
LinezolidTablette, Injektion, Suspension400-600 mgOral, IVReserve
MetronidazolTablette, Injektion, Saft, Zäpfchen200-500 mg, 5 mg/mLOral, IV, RektalAccess
NitrofurantoinKapsel, Tablette50-100 mgOralAccess (nur HWI)
Sulfamethoxazol + TrimethoprimTablette, Saft, Injektion400+80 mg, 800+160 mgOral, IVAccess
VancomycinInjektion, Kapsel500 mg, 1 gIV, OralWatch (MRSA, C. diff)

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert spezifische Einschränkungen für bestimmte Wirkstoffe:

  • Nitrofurantoin: Darf laut Leitlinie ausschließlich für Harnwegsinfektionen (UTI) verwendet werden.

  • Colistin: Wird explizit als letztes Mittel eingestuft und ist streng für multiresistente gramnegative Infektionen reserviert.

  • Vancomycin: Die orale Gabe ist spezifisch für Infektionen mit Clostridioides difficile vorgesehen, während die intravenöse Gabe für MRSA-Infektionen gelistet wird.

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💡Praxis-Tipp

Laut WHO-Leitlinie ist bei der Therapie mit Gentamicin zwingend ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) erforderlich. Zudem wird betont, dass Nitrofurantoin trotz seiner Einstufung in die unproblematischere Access-Gruppe ausschließlich für die Behandlung von Harnwegsinfektionen eingesetzt werden darf.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO EML 2023 listet in der Sektion der Nicht-Betalaktam-Antibiotika Linezolid und Colistin als Reserveantibiotika. Diese sollen als letztes Mittel bei multiresistenten Erregern eingesetzt werden.

Die Leitlinie ordnet Vancomycin der Watch-Gruppe zu. Es wird intravenös bei MRSA-Infektionen und in oraler Form bei Infektionen mit Clostridioides difficile empfohlen.

Das AWaRe-System teilt Antibiotika in die Gruppen Access, Watch und Reserve ein. Es dient dazu, den rationalen Antibiotikaeinsatz zu fördern und die Entstehung antimikrobieller Resistenzen weltweit einzudämmen.

Gemäß der WHO-Liste ist Nitrofurantoin ein Antibiotikum der Access-Gruppe. Es wird jedoch explizit darauf hingewiesen, dass es ausschließlich für Harnwegsinfektionen verwendet werden soll.

Die Leitlinie führt Gentamicin in der Access-Gruppe für die intravenöse oder intramuskuläre Gabe. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bei der Anwendung ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) erforderlich ist.

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Quelle: WHO EML 2023: Section 6.2 - Other Antibacterial Medicines (WHO Essential Medicines List, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt. Vor jeder Anwendung oder Verschreibung muss die aktuelle Fachinformation konsultiert werden.

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