Paracetamol-Intoxikation: Leitlinien-Management & Antidot
Hintergrund
Die Paracetamol-Intoxikation ist ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis, das laut aktuellen Leitlinien bei rechtzeitiger Behandlung (innerhalb von 8 Stunden) eine exzellente Prognose aufweist. Ohne Therapie geht eine schwere Vergiftung jedoch mit einer hohen Mortalität einher. Gemäß Expertenkonsens werden toxische Dosen bei Erwachsenen ab einer Einzeldosis von >150 mg/kg Körpergewicht oder >7,5 g definiert. Bei Kindern liegt die Grenze laut Leitlinie ebenfalls bei >150 mg/kg als Einzeldosis. Eine chronisch erhöhte Einnahme wird ab >75 mg/kg/Tag über mehrere Tage als toxisch eingestuft.
Die Leitlinie unterteilt den Verlauf der Vergiftung in vier Phasen:
| Phase | Zeitraum | Symptome |
|---|---|---|
| 1 | 0-24 h | Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein; oft asymptomatisch! |
| 2 | 24-72 h | Rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Transaminasen-Anstieg |
| 3 | 72-96 h | Leberversagen, Enzephalopathie, Koagulopathie |
| 4 | >96 h | Erholung oder Tod |
Empfehlungen
Die Leitlinienempfehlungen zur Diagnostik und Therapie umfassen klare zeitliche Vorgaben zur Risikostratifizierung und Antidot-Gabe.
Diagnostik
- Laut Leitlinie ist der Paracetamol-Spiegel exakt 4 Stunden nach der Ingestion zu bestimmen.
- Zur Risikoeinschätzung wird die Verwendung des Rumack-Matthew-Nomogramms empfohlen.
- Zusätzlich rät der Expertenkonsens zur Bestimmung von Leberwerten (AST, ALT, INR), Kreatinin, Laktat und einer Blutgasanalyse (BGA).
Therapie-Indikationen
Aktivkohle
Die Gabe wird gemäß Leitlinie nur innerhalb von 2 Stunden nach Ingestion bei bewusstseinsklaren Patienten empfohlen.
N-Acetylcystein (NAC)
Dieses Antidot ist laut Leitlinie indiziert, wenn der Paracetamol-Spiegel oberhalb der Behandlungslinie im Nomogramm liegt, die Einnahmezeit bei signifikanter Dosis unbekannt ist oder sich Patienten spät (>8 Stunden) mit Hinweisen auf einen Leberschaden vorstellen.
Lebertransplantation
Die Leitlinie verweist auf die King's College Kriterien zur Evaluation einer Transplantation. Diese wird in Betracht gezogen bei einem pH-Wert <7,3 nach Volumensubstitution oder bei der Kombination aus INR >6,5, Kreatinin >300 und einer Enzephalopathie Grad III-IV.
Dosierung
Die Dosierungsempfehlungen richten sich nach dem Zeitpunkt der Einnahme und dem klinischen Bild.
Aktivkohle
Laut Leitlinie beträgt die Dosis 1 g/kg Körpergewicht (maximal 50 g).
N-Acetylcystein (NAC) - IV-Protokoll (Prescott-Schema)
Die Leitlinie empfiehlt folgendes Stufenschema für das Antidot:
| Phase | Dosis | Dauer |
|---|---|---|
| Loading | 150 mg/kg in 200 ml G5% | 1 h |
| 2. Dosis | 50 mg/kg in 500 ml G5% | 4 h |
| 3. Dosis | 100 mg/kg in 1000 ml G5% | 16 h |
Bei Fortbestand der Leberschädigung wird laut Expertenkonsens eine Verlängerung der NAC-Infusion mit 6,25 mg/kg/h empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt davor, den Paracetamol-Spiegel früher als 4 Stunden nach der Ingestion zu bestimmen, da die Werte vorher nicht verwertbar sind. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Aktivkohle nur bei bewusstseinsklaren Patienten angewendet werden darf.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist besonders in Phase 1 (0-24 Stunden nach Ingestion) zu beachten, dass Patienten häufig völlig asymptomatisch sind, weshalb eine fehlende Symptomatik eine schwere Intoxikation nicht ausschließt.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß Leitlinie gilt eine Einzeldosis von >150 mg/kg Körpergewicht oder >7,5 g bei Erwachsenen als toxisch.
Der Expertenkonsens empfiehlt die Bestimmung exakt 4 Stunden nach der Einnahme, nicht früher.
Laut Leitlinie wird hierfür das Rumack-Matthew-Nomogramm in Kombination mit dem 4-Stunden-Paracetamol-Spiegel verwendet.
Die Leitlinie empfiehlt Aktivkohle bei bewusstseinsklaren Patienten, sofern die Einnahme weniger als 2 Stunden zurückliegt.
Die Leitlinie nennt die King's College Kriterien, darunter ein pH-Wert <7,3 nach Volumensubstitution oder die Kombination aus INR >6,5, Kreatinin >300 und schwerer Enzephalopathie.
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Quelle: Paracetamol-Intoxikation Management (DGAI/Giftnotruf/DGN/AWMF, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.