Sicherheit der flexiblen Bronchoskopie: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Vor jeder Bronchoskopie muss eine Risikostratifizierung (Patienten- und Prozedur-assoziiert) erfolgen.
- •Die alleinige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) kann auch bei Biopsien unverändert fortgeführt werden.
- •Die Sedierung erfordert eine qualifizierte Person, die ausschließlich für Überwachung und Dokumentation zuständig ist.
- •Zur Detektion eines postinterventionellen Pneumothorax soll primär der Thorax-Ultraschall eingesetzt werden.
- •Eine routinemäßige Prämedikation mit Anticholinergika wird nicht mehr empfohlen.
Hintergrund
Die diagnostische flexible Bronchoskopie ist ein zentrales Verfahren der Pneumologie. Die aktuelle S2k-Leitlinie definiert evidenzbasierte Standards zur Erhöhung der Patientensicherheit, insbesondere hinsichtlich Sedierung, Antikoagulation, Personalvoraussetzungen und Komplikationsmanagement.
Vorbereitung und Diagnostik
Vor jedem Eingriff soll eine strukturierte Risikostratifizierung erfolgen. Ein präinterventionelles Team-Time-Out zur Erhöhung der Patientensicherheit wird empfohlen.
- Aufklärung: Bei elektiven Eingriffen sollte eine ausreichende Bedenkzeit (z.B. 24 Stunden) eingeräumt werden.
- Bildgebung: Vor einer geplanten Biopsie soll eine aktuelle CT-Thorax vorliegen.
- Labor: Gerinnungsstatus (Thrombozyten, INR, pTT) in Abhängigkeit vom Risiko bestimmen. Für Biopsien gelten als sicher: Thrombozyten >50.000/µl, INR <1,5, pTT <50 Sekunden.
- Nüchternheit:
- Sedierung: Feste Nahrung bis 4 Stunden vorher, klare Flüssigkeiten schluckweise bis unmittelbar vor dem Eingriff.
- Allgemeinanästhesie: 6 Stunden Karenz für feste Nahrung, 2 Stunden für klare Flüssigkeiten.
- Prämedikation: Eine routinemäßige Gabe von Anticholinergika (z.B. Atropin) soll nicht erfolgen.
Umgang mit Antikoagulation und Thrombozytenhemmung
Das Vorgehen richtet sich nach dem prozeduralen Blutungsrisiko und dem patientenindividuellen Thromboserisiko.
| Medikation | Pausierungsintervall vor Bronchoskopie | Wiederbeginn nach Eingriff |
|---|---|---|
| Acetylsalicylsäure (ASS) | Keine Pausierung notwendig | - |
| Clopidogrel | 5-7 Tage | 24-48 Stunden |
| Prasugrel | 7 Tage | 24-48 Stunden |
| Ticagrelor | 3-5 Tage | 24-48 Stunden |
| Niedermolekulares Heparin | 24 Stunden | 24-72 Stunden |
| Fondaparinux | 72 Stunden | 24-72 Stunden |
Prozedur-assoziierte Risiken
Das Blutungsrisiko variiert je nach Art der Gewebeentnahme signifikant. Entsprechendes Equipment zum Komplikationsmanagement muss unmittelbar verfügbar sein.
| Art des Eingriffs | Blutungsrisiko |
|---|---|
| Transbronchiale Kryobiopsie | Hoch |
| Endobronchiale Kryobiopsie | Intermediär |
| Transbronchiale Zangenbiopsie | Intermediär |
| Endobronchiale Zangenbiopsie | Intermediär |
| EBUS-TBNA | Niedrig |
| Inspektion / BAL | Niedrig |
Sedierung und Personal
Die Sedierung erfordert klare personelle Verantwortlichkeiten und ein lückenloses Monitoring (SpO2, EKG, Blutdruck).
- Durchführung: Ein in der Sedierung erfahrener Arzt leitet die Sedierung ein.
- Überwachung: Die Fortführung und Überwachung kann an speziell geschultes Assistenzpersonal delegiert werden. Diese Person darf ausschließlich für die Sedierung zuständig sein.
- Risikopatienten: Bei erhöhtem Risiko (z.B. SpO2 <92% unter >2 l/min O2, vorbestehende NIV, Hyperkapnie) sollte ein zweiter Arzt (mit intensivmedizinischer Erfahrung) anwesend sein.
Qualitätsstandards spezifischer Eingriffe
- Bronchoalveoläre Lavage (BAL): Das Instillationsvolumen sollte 100-300 ml NaCl betragen. Für die Differentialzytologie wird eine Rückgewinnung von ≥30 % gefordert.
- Transbronchiale Kryobiopsie: Bei interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) als primäres Entnahmeverfahren der chirurgischen Biopsie vorzuziehen. Soll unter Atemwegssicherung (Tubus/starres Bronchoskop) und prophylaktischer Platzierung eines blockierenden Devices erfolgen.
- EBUS-TBNA: Standardmäßig 21G- oder 22G-Nadeln verwenden. Ohne Schnellzytologie (ROSE) sollen mindestens drei Biopsien pro Station entnommen werden.
Komplikationsmanagement und Nachbeobachtung
- Pneumothorax: Zur Detektion soll primär der Thorax-Ultraschall (Suche nach Lungenpunkt, Pleuragleiten) genutzt werden.
- Blutung: Equipment zur Blutstillung (z.B. blockierende Devices, Argon-Plasma-Koagulation) muss unmittelbar verfügbar sein.
- Überwachung: Die Nachbeobachtung im Aufwachraum soll durch physisch präsentes Personal erfolgen (keine reine Telemetrie).
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor jedem Eingriff ein strukturiertes 'Team-Time-Out' durch. Nutzen Sie primär den Thorax-Ultraschall statt des Röntgens zum Ausschluss eines postinterventionellen Pneumothorax.