Diagnostik & Therapie Neuro-HIV – AWMF-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die S1-Leitlinie der AWMF widmet sich den neurologischen Systemmanifestationen der HIV-Infektion. Laut Leitlinie werden 10 bis 20 Prozent der HIV-infizierten Patienten über eine neurologische Manifestation symptomatisch, während etwa 60 Prozent im Verlauf der Erkrankung eine neurologische Funktionsstörung entwickeln. Das zentrale Nervensystem (ZNS) fungiert dabei als Virus-Reservoir. Zu den behandelten Krankheitsbildern gehören unter anderem die HIV-1-assoziierte Demenz (HAD), aseptische Leptomeningitis, Polyneuropathien sowie opportunistische zerebrale Erkrankungen.

Empfehlungen

Die AWMF S1-Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie.

HIV-1-assoziierte Demenz (HAD) und Vorstufen Bei einer gesicherten HAD ist laut Leitlinie eine antiretrovirale Kombinationstherapie (cART) unabhängig von der CD4+-Zellzahl indiziert. Es wird empfohlen, bei der Entwicklung einer HAD unter laufender Therapie auf möglichst liquorgängige Substanzen umzustellen.

Polyneuropathien Die distal symmetrische sensible Polyneuropathie wird als häufigste periphere Manifestation beschrieben. Bei schmerzhaften Verläufen mit relevanten Paresen und asymmetrischem Verteilungstyp muss nach aktueller Leitlinienempfehlung differenzialdiagnostisch eine Vaskulitis erwogen werden.

Opportunistische Infektionen und IRIS Bei rasch zunehmenden zentralen Ausfallsymptomen ist laut Expertenkonsens an eine opportunistische Infektion zu denken. Zu den häufigsten zählen die progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML), die Toxoplasma-Enzephalitis und die Kryptokokken-Meningitis. Treten opportunistische Infektionen innerhalb von wenigen Monaten nach Beginn einer erfolgreichen cART auf, sollte gemäß der Leitlinie ein Immunrekonstitutionssyndrom (IRIS) in Betracht gezogen werden.

Dosierung

Die Leitlinie führt spezifische Dosierungsschemata für opportunistische Infektionen auf.

Toxoplasma gondii (Akuttherapie)

WirkstoffDosierung laut Leitlinie
PyrimethaminTag 1: 200 mg p.o., ab Tag 2: 75 mg (bei >= 60 kg KG) oder 50 mg (bei < 60 kg KG)
Sulfadiazin2 x 3000 mg/d p.o. (bei >= 60 kg KG) oder 2 x 2000 mg/d (bei < 60 kg KG)
Folinsäure15 mg/d p.o. (zusätzlich)

Zytomegalievirus-Infektion (Standard-Induktionstherapie)

WirkstoffDosierung laut Leitlinie
Ganciclovir2 x 5 mg/kg KG/d i.v.
Foscarnet (alternativ)2 x 90 mg/kg KG/d i.v.

Kryptokokken-Meningitis (Induktionstherapie über 2 Wochen)

WirkstoffDosierung laut Leitlinie
Liposomales Amphotericin B3 mg/kg KG
Flucytosin100 mg/kg KG/d (verteilt auf 4 Einzelgaben)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor zahlreichen pharmakokinetischen Interaktionen zwischen antiretroviralen Substanzen und in der Neurologie angewendeten Medikamenten. Insbesondere bei Antiepileptika (wie Valproinsäure, Phenytoin, Lamotrigin und Carbamazepin) wird eine strenge Überprüfung der Wechselwirkungen empfohlen. Bei der zerebralen Toxoplasmose rät die Leitlinie von der Gabe von Dexamethason ab, da dies die radiologische Abgrenzung zu einem Lymphom erschwert; Steroide seien hier nur bei lebensbedrohlichen Raumforderungen indiziert.

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💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie kann es sich bei HIV-Infizierten mit gutem Immunstatus und Läsionen der weißen Substanz im MRT um das sogenannte CNS-escape-Phänomen handeln, welches eine engmaschige Überwachung hinsichtlich zerebraler Erkrankungen erfordert.

Häufig gestellte Fragen

Gemäß der Leitlinie tritt sie typischerweise innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Infektion als Ausdruck einer akuten Virusreplikation auf, kann sich aber auch in späteren Phasen manifestieren.

Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von liquorgängigen antiretroviralen Substanzen. Eine gute Liquorgängigkeit ist beispielsweise für Azidothymidin, Abacavir, Dolutegravir und Darunavir belegt.

Laut Leitlinie handelt es sich um eine Komplikation in der frühen Phase der antiretroviralen Behandlung, bei der opportunistische Infektionen atypisch verlaufen, sich demaskieren oder sich nach initialer Besserung paradoxerweise verschlechtern.

Nach aktueller Leitlinienempfehlung steht die symptomatische Schmerzbehandlung im Vordergrund, wobei Substanzen wie hochdosiertes Capsaicin, Cannabis oder Gabapentin zum Einsatz kommen können.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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