Neurogene Blasenstörungen: Diagnostik & Therapie (DGN)

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Laut der S1-Leitlinie der DGN werden als neurogene Blasenfunktionsstörungen alle Blasendysfunktionen bezeichnet, die ein neurologisches Korrelat aufweisen. Die Leitlinie unterteilt die Störungen basierend auf der neurologischen Läsionshöhe. Suprapontine Läsionen führen meist zu einer Detrusorüberaktivität, spinale Läsionen zu einer Detrusorüberaktivität mit Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie und sakrale oder infrasakrale Läsionen zu einem hypokontraktilen oder akontraktilen Detrusor. Gemäß Leitlinie ist das Risiko für rezidivierende Harnwegsinfekte und Schäden des oberen Harntrakts bei neurogener Detrusorhyperaktivität signifikant erhöht. Auch Läsionen innerhalb des Pons können laut Text zu vielfältigen Formen der neurogenen Blasendysfunktion führen.

Empfehlungen

Die AWMF-Leitlinie empfiehlt eine strukturierte diagnostische Kaskade. Als Screeningmethode wird laut Leitlinie die Restharnmessung (sonographisch oder per Einmalkatheterismus) empfohlen. Zudem wird das Führen eines Blasentagebuchs über mindestens drei volle Tage angeraten.

Für die Therapie nennt die Leitlinie je nach Störungsbild unterschiedliche Ansätze:

Detrusorüberaktivität Primär werden konservative Maßnahmen wie Blasentraining und eine antimuskarinerge Medikation empfohlen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Mirabegron als neuer Therapieansatz zur Verfügung steht. Bei Versagen konservativer Therapien beschreibt die Leitlinie invasive Verfahren wie die Injektion von Botulinumtoxin in den Detrusor, die chronische Sakralwurzelstimulation oder eine Blasenaugmentation.

Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie Gemäß Leitlinie sollten Patienten frühzeitig auf einen sauberen Einmalkatheterismus eingestellt werden. Unterstützend wird häufig eine Therapie mit Antimuskarinika beschrieben. Als invasive Optionen nennt der Text unter anderem die sakrale Vorderwurzelstimulation oder eine Sphinkterotomie.

Hypokontraktiler Detrusor Die Leitlinie nennt als Optionen eine vorübergehende suprapubische Harndauerableitung, unterstützt durch Cholinergika oder Alphablocker. Führt dies nicht zum Erfolg, wird laut Leitlinie ein sauberer Einmalkatheterismus oder eine chronische Sakralwurzelstimulation beschrieben.

Hypoaktiver Sphinkter Laut DGN-Leitlinie kommen hier Beckenbodentraining, Biofeedback oder medikamentös Duloxetin infrage. Als invasiver Goldstandard wird das artifizielle Sphinktersystem genannt.

Dosierung

Die S1-Leitlinie führt folgende Dosierungen für die medikamentöse Therapie auf:

MedikamentengruppeMedikamentTagesdosis laut Leitlinie
AntimuskarinikaOxybutyninBis 3 × 5 mg (max. 4 x 5 mg) p.o. oder Pflaster
AntimuskarinikaPropiverinBis 3 × 15 mg p.o.
AntimuskarinikaTolterodinBis 2 × 2 mg p.o.
AntimuskarinikaFesoterodin4–8 mg p.o.
AntimuskarinikaSolifenacinBis 2 × 5 mg p.o.
AntimuskarinikaDarifenacinBis 2 × 7,5 mg p.o.
AntimuskarinikaTrospiumchloridBis 3 × 15 mg p.o., 2 x 20 mg p.o.
AlphablockerDoxazosinBis 1 × 2–8 mg p.o.
AlphablockerAlfuzosinBis 3 × 2,5 mg p.o.
AlphablockerTamsulosinBis 1 × 0,4 mg p.o.
AlphablockerTerazosinBis 1 × 5–10 mg p.o.
AlphablockerSilodosin4–8 mg p.o.
Vasopressin-AnalogonDesmopressin10–40 µg nasal, 0,1–0,4 mg p.o.
CholinergikaBethanecholBis 4 × 25–50 mg p.o.
CholinergikaDistigminbromidBis 2 × 5 mg p.o.
β3-AdrenozeptoragonistenMirabegron25–50 mg p.o.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Nebenwirkungen und Warnhinweise für die eingesetzten Medikamente und Verfahren:

Antimuskarinika

Laut Leitlinie können Restharnbildung, Obstipation, Akkommodationsstörungen, Mundtrockenheit und Tachykardie auftreten. Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor Psychosen bei Parkinson-Patienten (Cave). Trospiumchlorid und Darifenacin weisen laut Text eine geringere Inzidenz zentralnervöser Nebenwirkungen auf.

Alphablocker

Gemäß Leitlinie sind orthostatische Hypotonie, Herzrhythmusstörungen und Schwindel mögliche Nebenwirkungen.

Desmopressin

Die Leitlinie warnt vor Wasserretention und Hyponatriämie. Blutdruck, Gewicht und Serum-Natrium müssen laut Leitlinie zu Beginn der Therapie regelmäßig überwacht werden.

Botulinumtoxin

Da die Injektion zu einer chemischen Blasendenervierung führt, muss laut Leitlinie gewährleistet sein, dass die Patienten zur sauberen Selbstkatheterisierung in der Lage sind, da eine willkürliche Blasenentleerung danach oft nicht mehr möglich ist.

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💡Praxis-Tipp

Laut S1-Leitlinie ist bei der Therapie mit Antimuskarinika eine regelmäßige ultraschallgestützte oder per Katheterisierung erfolgende Restharnmessung zu empfehlen, da sich unter der Behandlung eine Detrusorhypoaktivität entwickeln kann.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Kaskade aus Anamnese, neurologischer und urologischer Untersuchung, einem 3-Tage-Blasentagebuch, Urinsediment, Restharnmessung sowie Uroflowmetrie und Urodynamik.

Gemäß Leitlinie sollten betroffene Patienten frühzeitig auf einen sauberen Einmalkatheterismus eingestellt werden, oft in Kombination mit einer antimuskarinergen Therapie.

Die Leitlinie nennt primär Antimuskarinika (wie Oxybutynin oder Trospiumchlorid) sowie den β-3-Adrenozeptoragonisten Mirabegron als medikamentöse Therapieoptionen.

Laut Leitlinie kann eine Nykturie, je nach zugrunde liegender Ursache (wie nächtliche Polyurie oder verminderte Blasenkapazität), mit Desmopressin oder einem Antimuskarinikum behandelt werden.

Die Leitlinie weist darauf hin, dass zu Beginn einer Desmopressin-Therapie Blutdruck, Gewicht und Serum-Natrium regelmäßig überwacht werden müssen, um eine Hyponatriämie zu vermeiden.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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