Aufmerksamkeitsstörungen Neurologie: AWMF-Leitlinie
Hintergrund
Aufmerksamkeitsstörungen gehören laut der S2e-Leitlinie der DGN und GNP zu den häufigsten kognitiven Beeinträchtigungen nach erworbenen Hirnschädigungen wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder bei Multipler Sklerose (MS). Die Leitlinie betont, dass diese Defizite den Erfolg der gesamten Rehabilitation, die Alltagsbewältigung sowie die Fahreignung maßgeblich beeinflussen können. Gemäß aktuellen Aufmerksamkeitstheorien wird zwischen Intensitätsaspekten (Alertness, Vigilanz) und Selektivitätsaspekten (selektive, fokussierte und geteilte Aufmerksamkeit) unterschieden.
Empfehlungen
Diagnostik
Laut Expertenkonsens sollte eine ausführliche Untersuchung die Teilfunktionen Alertness, selektive Aufmerksamkeit, visuell-räumliche Aufmerksamkeit, geteilte Aufmerksamkeit und längerfristige Aufmerksamkeitszuwendung umfassen. Es wird empfohlen, hierfür computergestützte Verfahren einzusetzen. Die Leitlinie rät davon ab, die Aufmerksamkeitsleistung allein auf Basis des klinischen Eindrucks zu beurteilen; psychometrische Diagnostik ist erforderlich. Zur Erfassung einer vermehrten Ermüdbarkeit (Fatigability) empfiehlt die Leitlinie Tests zur intrinsischen Alertness zu Beginn und am Ende einer mindestens zweistündigen Untersuchung. Bei Verdacht auf Fatigue sollten zusätzlich validierte Fragebögen sowie die Erfassung von Schlafqualität und Depression erfolgen.
Therapie
Nach aktueller Leitlinienempfehlung soll die Therapie spezifisch auf das jeweilige Defizit zugeschnitten sein. Die Leitlinie stuft es als starke Empfehlung ein, bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose computergestützte Aufmerksamkeitstrainings zur Steigerung der Verarbeitungsgeschwindigkeit einzusetzen. Für leichte bis mittlere Störungen werden computergestützte, funktionsorientierte sowie kompensatorische Methoden empfohlen. Gemäß Expertenkonsens gelten mindestens 10 Therapiesitzungen à 30 bis 60 Minuten als gute klinische Praxis. Es wird darauf hingewiesen, dass die Therapie unter aktiver Anleitung durch therapeutisches Fachpersonal erfolgen sollte, welches die Schwierigkeit adaptiv anpasst.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie kann bei schweren Aufmerksamkeitsbeeinträchtigungen der Einsatz von Papier-und-Bleistift-Methoden erwogen werden, da diese ein individuelleres und flexibleres Vorgehen durch das therapeutische Fachpersonal ermöglichen als rein computergestützte Verfahren.
Häufig gestellte Fragen
Die AWMF-Leitlinie empfiehlt, bei jeder neuropsychologischen Diagnostik mindestens je ein Verfahren zur Aufmerksamkeitsintensität (Alertness) und zur Selektivität (z.B. geteilte Aufmerksamkeit) sowie bei rechtshemisphärischen Läsionen die räumliche Ausrichtung zu untersuchen.
Laut Expertenkonsens der Leitlinie sollten bei Anzeichen von Fatigue validierte Fragebögen für die subjektive Einschätzung sowie computergestützte Tests der intrinsischen Alertness oder Vigilanz zur Erfassung der objektiven Ermüdbarkeit (Fatigability) eingesetzt werden.
Nach aktueller Leitlinienempfehlung können VR-basierte Methoden ergänzend genutzt werden, insbesondere bei Defiziten der geteilten Aufmerksamkeit oder Hemineglect. Es wird jedoch geraten, vorab eine Eingewöhnungsphase durchzuführen.
Die Leitlinie empfiehlt für die postakute und chronische Phase eine Therapiefrequenz von mindestens ein bis zwei Terminen pro Woche. In der früh-postakuten Phase kann auch ein hochfrequentes Training mit fünf Terminen erwogen werden.
Gemäß der Leitlinie können im postakuten und chronischen Stadium bei leichten bis mittelschweren Störungen auch seriöse Computerspiele (wie z.B. Lumosity oder BrainHQ) für das Aufmerksamkeitstraining verwendet werden.
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Quelle: Diagnostik und Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen bei neurologischen Erkrankungen im Erwachsenenalter (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.